Mein Weg heute · Zukunft am Weg

Was durch mich zusammenwirkt

Mein Weg · meine Haltung · meine Ausdrucksformen

Von Bernhard Kuppek ·

Was durch mich zusammenwirkt: Bernhard Kuppek in der Mitte, verbunden mit Leben und Rückhalt, politischer Erfahrung, Ausbildung und Lernen, Beruf und Führung, Ehrenamt und Krise, Stimme und Denkraum sowie Schreiben und Büchern. Erfahrung wird Haltung: wahrnehmen und verstehen, Perspektiven verbinden, Raum für Eigenständigkeit geben.
Grafik: Bernhard Kuppek · In voller Größe öffnen (neuer Tab)

Wenn ich auf diese Grafik schaue, sehe ich vieles, das mich schon lange begleitet. Meine Familie, meine beruflichen Aufgaben und frühere politische Rollen. Das Ehrenamt, die Ausbildungen und das Lernen. Dazu das Schreiben, das Mikrofon und die öffentlichen Gedanken. Inzwischen gehört auch der humorvolle Blick auf mich selbst dazu.

Diese Bereiche lassen sich einzeln benennen. In meinem Leben stehen sie aber in Beziehung zueinander. Eine Erfahrung aus einem Bereich kann mir helfen, etwas in einem anderen besser zu verstehen. Eine Begegnung beschäftigt mich weiter und findet später ihren Platz in einem Text. Beim Lernen entdecke ich einen Zusammenhang, den ich in meiner beruflichen Arbeit schon erlebt habe, für den mir bisher aber vielleicht die Worte gefehlt haben.

Die Grafik macht für mich etwas sichtbar, das mit der Zeit gewachsen ist. Ich erkenne darin meinen Weg und die Haltung, die sich daraus entwickelt hat.

In der Mitte steht mein Name. Wenn ich die einzelnen Felder betrachte, sehe ich allerdings auch, wie viele Menschen und Begegnungen zu diesem Weg gehören. Was durch mich zusammenwirkt, ist im Austausch mit anderen entstanden.

Was mir Rückhalt gibt

Oben in der Grafik steht „Leben und Rückhalt“. Dort gehören für mich Familie und Partnerschaft hin, Verbundenheit und das Wissen, füreinander da zu sein. Auch die Hunde, die Natur und Freiräume, in denen nicht gleich etwas entstehen muss, haben dort ihren Platz.

Ein Satz in diesem Feld ist mir besonders wichtig: „Verbunden sein, auch ohne etwas zu leisten.“

Das betrifft eine Erfahrung, die über alle beruflichen und öffentlichen Aufgaben hinausgeht. Ich bin auch dann da, wenn ich gerade nichts organisiere, niemandem eine Antwort gebe und keinen Text fertigstelle. Zugehörigkeit darf selbstverständlich sein.

Krankheit und gesundheitliche Grenzen haben mich damit auf eine sehr konkrete Weise in Berührung gebracht. Ich musste mich anderen anvertrauen und Unterstützung annehmen. Das gehört genauso zu meinem Weg wie die Dinge, die ich selbst gestalten konnte.

Heute weiß ich besser, dass ich Hilfe brauchen und trotzdem etwas beitragen kann. Ich muss mich dafür nicht rechtfertigen. Diese Klarheit gibt mir Halt.

Erfahrungen bleiben, auch wenn Rollen enden

Meine politische Zeit liegt inzwischen einige Jahre zurück. Sie gehört weiterhin zu meiner Geschichte. Ich habe dort Verantwortung getragen, Entscheidungen miterlebt und erfahren, wie unterschiedlich Interessen und Erwartungen sein können.

Mit dem Ende einer Rolle verändert sich vieles. Manche Kontakte werden seltener. Gespräche, die früher beinahe selbstverständlich waren, brauchen plötzlich einen anderen Ausgangspunkt. Auch die eigene Bedeutung innerhalb eines Zusammenhangs verschiebt sich.

Solche Erfahrungen wirken nach. Sie helfen mir heute, genauer hinzuschauen, wenn Menschen stark mit ihrer Funktion verbunden sind oder wenn ein Rollenwechsel mehr berührt, als von außen sichtbar ist.

Ich kenne politische Verantwortung aus einer früheren Lebensphase, bin heute in der Verwaltung tätig und zugleich Bürger. Dadurch ist mir vertraut, dass dieselbe Situation aus unterschiedlichen Blickwinkeln sehr verschieden aussehen kann.

Das bedeutet nicht, dass sich alle Interessen miteinander vereinbaren lassen. Es macht für mich aber einen Unterschied, ob ich zunächst verstehen möchte, aus welcher Wirklichkeit jemand spricht. Gerade an den Schnittstellen zwischen Politik, Verwaltung und Bevölkerung kann daraus ein anderer Umgang miteinander entstehen.

Verantwortung teilen

In meiner beruflichen Arbeit beschäftigen mich Zusammenarbeit und Entwicklung seit vielen Jahren. Menschen bringen unterschiedliche Erfahrungen mit. Sie nehmen andere Dinge wahr, haben verschiedene Stärken und sehen manchmal Möglichkeiten, die mir selbst entgehen.

Ich möchte dafür Raum geben.

Das setzt auch bei mir etwas voraus: Ich muss nicht jede Antwort selbst haben. Ich kann Verantwortung übernehmen und zugleich darauf vertrauen, dass andere ihren Teil auf ihre Weise beitragen.

Heute fällt mir das leichter. Ich kenne meinen eigenen Beitrag besser und kann klarer sagen, wo ich Unterstützung brauche. Auch meine Grenzen müssen besprechbar sein.

Dabei beschäftigt mich zunehmend die Frage, was aus einer gemeinsamen Arbeit weiterbestehen kann. Was können Menschen selbst übernehmen? Wo entsteht Zutrauen in die eigenen Möglichkeiten? Und wann ist es sinnvoll, dass ich mich zurücknehme?

Das lässt sich nicht allein durch gute Absichten erreichen. Es zeigt sich im Alltag – etwa darin, wie wir mit Fehlern umgehen, wie viel Entscheidungsspielraum tatsächlich vorhanden ist und ob eine andere Lösung auch dann Platz hat, wenn sie nicht meine wäre.

Lernen und sich selbst begegnen

Die Ausbildungen in meinem Leben haben mir Wissen und unterschiedliche Zugänge eröffnet. Sie sind zugleich immer wieder eine Gelegenheit gewesen, meine bisherigen Erfahrungen neu zu betrachten.

In der Mediationsausbildung beschäftigt mich besonders, wie ich selbst Teil einer Begegnung bin. Was höre ich? Was ergänze ich innerlich schon? Wann glaube ich zu wissen, worum es geht? Und wie gut gelingt es mir, meine eigene Einschätzung zunächst offen zu halten?

Am 17. Oktober ist der Ausbildungsteil meines Diplomlehrgangs Mediation zu Ende gegangen. Das Abschlusskolloquium folgt am 6. und 7. November. Im Jänner 2027 beginnt der Aufbaulehrgang.

Ich bin also weiterhin am Lernen. Vieles davon hat bereits jetzt Bedeutung für meinen Alltag.

Auch aus der Krisenintervention kenne ich Situationen, in denen Zuhören und Gegenwärtigbleiben wichtig sind. Zugleich gehört dazu, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und nach belastenden Einsätzen selbst Unterstützung anzunehmen.

Diese Erfahrungen lassen sich nicht beliebig von einem Bereich auf den anderen übertragen. Sie schärfen aber meine Aufmerksamkeit dafür, dass Kompetenz und Unterstützungsbedarf gleichzeitig vorhanden sein dürfen.

Gedanken bekommen eine Form

Mit meinem Buch, dem Podcast und den Videos haben Erfahrungen und Überlegungen neue Ausdrucksmöglichkeiten bekommen.

Beim Schreiben kann ich bei einem Gedanken bleiben. Ich kann ihn noch einmal wenden und prüfen, ob die Worte tatsächlich das treffen, was ich sagen möchte. Beim Sprechen merke ich oft unmittelbar, ob ein Satz zu mir passt.

Eine Kollegin hat meine Gedanken einmal mit den Worten beschrieben: „Das bist du.“

Dieser Satz ist für mich ein wichtiger Maßstab geworden. Ich möchte hinter dem stehen können, was ich veröffentliche. Meine Texte und Videos sollen meine tatsächliche Haltung erkennen lassen, mit den Erfahrungen und offenen Fragen, die dazugehören.

Dass dabei unterschiedliche Formen entstehen, macht mir Freude. Ein Buch gibt einem Gedanken anderen Raum als ein kurzer gesprochener Beitrag. Der Podcast ermöglicht wieder eine andere Art des Nachdenkens.

Und seit Kurzem gibt es die bunten Nasen.

Der Humor eröffnet mir einen spielerischen Zugang zu Widersprüchen, die ich auch von mir kenne. Ich möchte zuhören und habe innerlich vielleicht schon eine Antwort vorbereitet. Ich wünsche mir Veränderung und hätte gern die Sicherheit, vorher zu wissen, wie sie ausgeht.

Darüber darf ich schmunzeln. Es hilft mir, meine Haltung ernst zu nehmen und dabei beweglich zu bleiben.

Ein Zusammenhang mit unterschiedlichen Grenzen

Wenn ich all diese Bereiche in einer Grafik zusammenführe, bedeutet das nicht, dass daraus eine einzige Tätigkeit wird.

Meine beruflichen Aufgaben haben einen anderen Rahmen als meine persönlichen Texte. Im Ehrenamt trage ich eine andere Verantwortung als beim Schreiben. Meine Ausbildung ist ein eigener Lernweg. Und mein privates Leben braucht auch Räume, die nicht öffentlich werden.

Diese Unterschiede sind mir wichtig. Sie helfen mir, klar zu bleiben.

Persönlich erkenne ich dennoch einen Zusammenhang. Die Erfahrungen prägen, wie ich Menschen begegne und was ich wahrnehme. Sie beeinflussen, wann ich etwas anspreche, wann ich zuhöre und wann ich mich zurücknehme.

Es geht für mich immer wieder um Begegnung und Vertrauen. Darum, wie Menschen miteinander in Verbindung bleiben und wie daraus Entwicklung möglich werden kann.

Unter der Grafik steht deshalb dieser Satz:

„Ich möchte dazu beitragen, dass etwas entsteht, das mich irgendwann nicht mehr braucht.“

Darin liegt für mich der Wunsch, etwas zu ermöglichen, das andere selbst weitertragen können. Menschen dürfen eigene Wege finden. Eine gemeinsame Arbeit darf sich weiterentwickeln, ohne dauerhaft von mir abhängig zu sein.

Auch für mich steckt darin Freiheit. Ich muss nicht überall unentbehrlich bleiben.

Wenn ich heute auf diese Grafik schaue, bin ich froh darüber, wie vieles für mich einen Zusammenhang bekommen hat. Ich weiß besser, wo ich stehe und in welchem Rahmen ich gut wirken kann.

Nicht jeder nächste Schritt muss schon festgelegt sein. Manche Gedanken dürfen reifen. Aus einer Begegnung kann etwas entstehen, mit dem ich noch gar nicht gerechnet habe.

Was die Zukunft bringt, darf noch am Weg sein.