Ein persönlicher Rückblick

Ein feiner Weg zu mehr Klarheit

Über das, was sich im vergangenen Jahr verbunden hat – und warum inzwischen auch ein paar bunte Nasen dazugehören.

Von Bernhard Kuppek ·

Ausbildungsordner, Notizen und ein Plakat zur Familienmediation mit Büchern, Autorenkarten, bunten Clownnasen und einem Mikrofon auf dem Boden.
Foto: Bernhard Kuppek · Bildrechte: Bernhard Kuppek · bearbeitete Fassung

Für dieses Foto habe ich einiges zusammengelegt, was mich im vergangenen Jahr begleitet hat. Die Ordner meiner Mediationsausbildung, meine handschriftlichen Notizen und das große Plakat zur Abschlussarbeit. Dazu mein Buch, das Mikrofon und die Autoren- und Denkraumkarten. Mittendrin liegen die bunten Clownnasen.

So nebeneinander betrachtet, erzählen diese Gegenstände etwas von meinem Weg. Zu jedem gehört eine andere Beschäftigung. Und doch erkenne ich darin immer deutlicher einen Zusammenhang.

Es war und ist ein feiner Weg, der mir persönlich viel Klarheit gebracht hat.

Vieles davon hat mit Erfahrungen zu tun, die schon länger zu meinem Leben gehören. Mit beruflicher Verantwortung, mit früheren Rollen und mit Veränderungen, die ich mir nicht ausgesucht habe. Auch mit Krankheit und der Erfahrung, auf andere angewiesen zu sein. Beim Schreiben und im Lauf meiner Ausbildung konnte ich manches davon noch einmal betrachten. Erfahrungen, die zunächst für sich standen, haben einen gemeinsamen Zusammenhang bekommen.

Heute weiß ich besser, was ich beitragen kann. Ich kann auch klarer sagen, wo ich andere brauche. Das gibt mir einen Rahmen, in dem ich gut wirken kann.

Am 17. Oktober ist der Ausbildungsteil meines Diplomlehrgangs Mediation zu Ende gegangen. Das Abschlusskolloquium folgt am 6. und 7. November. Im Jänner 2027 beginnt der Aufbaulehrgang.

Wenn ich auf die Ordner und das Plakat schaue, denke ich auch darüber nach, was von dieser Ausbildung in meinem Alltag angekommen ist. Wie ich anderen zuhöre. Wie ich mit einer Sichtweise umgehe, die mir zunächst fremd ist. Wie schnell ich selbst manchmal schon eine Erklärung habe, während mein Gegenüber noch spricht.

Gerade darin liegt für mich ein wichtiger Teil des Lernens: mich selbst im Geschehen wahrzunehmen. Mit meiner Erfahrung und meinen Stärken, aber eben auch mit meinen Gewohnheiten und Grenzen.

Fachwissen kann mir helfen, Zusammenhänge zu erkennen. Zugleich möchte ich offen dafür bleiben, dass ein anderer Mensch seine Situation anders erlebt, als ich sie mir erkläre. Das gelingt mir nicht in jedem Moment gleich gut. Es ist etwas, mit dem ich mich weiter beschäftigen möchte.

Auch das Schreiben gehört zu diesem Weg. Im Buch haben viele meiner Gedanken einen Platz gefunden. Beim Aussprechen, im Podcast und in den Videos, begegne ich ihnen noch einmal anders. Ich muss überlegen, ob ich einen Satz tatsächlich so sagen kann. Ob er meine Erfahrung trifft. Ob ich dahinterstehe.

Eine Kollegin hat das einmal mit wenigen Worten beschrieben: „Das bist du.“

Dieser Satz ist bei mir geblieben. Er verbindet für mich vieles von dem, was auf dem Foto zu sehen ist. Die Formen sind unterschiedlich, doch meine Art, auf Menschen und auf das Leben zu schauen, soll darin erkennbar sein.

Das macht mich frei. Ich fühle mich heute wohl mit dem, was ich beitragen kann. Es muss daraus kein nächster Karriereschritt entstehen. Ich darf etwas entwickeln, weil es mich beschäftigt und weil ich Freude daran habe, Gedanken mit anderen zu teilen.

Und dann liegen da die Nasen.

Sie gehören erst seit Kurzem sichtbar dazu. In den kleinen humorvollen Szenen beschäftige ich mich mit Widersprüchen, die mir vertraut sind. Wir wollen zuhören und bereiten innerlich schon unsere Antwort vor. Wir wünschen uns Veränderung und hätten gern vorher einen möglichst genauen Plan. Wir laden zum Mitreden ein und merken vielleicht erst dabei, wie viel für uns schon feststeht.

Ich nehme mich davon nicht aus.

Mit einer Nase im Gesicht kann ich manches davon etwas leichter anschauen. Ich darf über mich schmunzeln. Meine Haltung verträgt das. Vielleicht wird sie dadurch sogar zugänglicher, weil neben dem Nachdenken auch etwas Spielerisches Platz bekommt.

Auf dem Foto liegt das alles beieinander. Im Leben behalten die einzelnen Bereiche ihren eigenen Rahmen. Meine berufliche Tätigkeit, die Ausbildung, das Schreiben und die öffentlichen Gedanken bringen unterschiedliche Aufgaben und Verantwortungen mit sich. Dass sie sich für mich persönlich verbinden, bedeutet nicht, dass sie dasselbe werden.

Was ich darin wiedererkenne, ist mein Interesse an Begegnung und Vertrauen. Daran, wie Menschen miteinander umgehen und was sich entwickeln kann, wenn unterschiedliche Erfahrungen Platz haben dürfen. Und ich merke, dass diese Frage immer auch mich selbst betrifft.

Wenn ich das Foto anschaue, freue ich mich über das, was entstanden ist. Ich bin auch stolz darauf. Zugleich weiß ich, wie viel davon durch Gespräche, Unterstützung und gemeinsame Erfahrungen möglich geworden ist.

Nicht alles auf diesem Bild muss nun zu einem weiteren Vorhaben führen. Einiges darf mich einfach weiter begleiten.

Für heute ist es schön, das so vor mir zu sehen: ein Stück meines Weges, mit offenen Fragen, mehr Klarheit und ein paar bunten Nasen.

Ich bin neugierig, was noch entstehen kann.